In der
reichhaltigen literarischen Hinterlassenschaft des Bischofs Ambrosius
von Mailand (gest. 397) gilt die späte Schrift „De Isaac vel
anima“ als ein herausragendes Werk, das die spätantike und
frühmittelalterliche Spiritualität und Askese nachhaltig beeinflußt
hat. Sie legt beredtes Zeugnis vom Rang der ambrosianischen Theologie
ab, die von einer exegetisch und dogmatisch sorgfältig begründeten
„Jesusfrömmigkeit“ geprägt ist. Ambrosius vermittelt in ihr
die Hoheliedauslegung des berühmten Alexandriners Origenes ins
Abendland und Grundgedanken der neuplatonischen Philosophie in die
christliche Theologie. „De Isaac vel anima“ wird hier zum
ersten Mal in deutscher Übersetzung geboten. Sie kann helfen, neben der
immer schon anerkannten kirchenpolitischen und pastoralen Kompetenz des
Mailänder Bischofs sich auch von seiner frömmigkeitsgeschichtlichen
Bedeutung einen Eindruck zu verschaffen.