Die hellenistisch-römischen Grabdenkmäler Kleinasiens
sind bislang nur ausschnittsweise und unter speziellen Aspekten
erforscht worden. Die vorliegende Studie beabsichtigt, auf der
Grundlage einer systematischen und detaillierten Aufnahme und
Erforschung der verschiedenen Grabdenkmäler die individuelle
Entwicklung der Nekropolen von Sagalassos nachzuvollziehen. Neben
typologischen und chronologischen Ergebnissen wurden dabei auch
unter technischen, organisatorischen und rituellen Aspekten neue
Erkenntnisse über die Grabdenkmäler und Nekropolen
gewonnen.
Nach den stilistischen Untersuchungen ergab sich, dass die auf vier
Seiten mit Reliefdekor geschmückten eckigen Ostotheken schon
seit dem 3. Jh. v. Chr. die vorherrschende Grabform waren. Die
Reliefs reflektierten die Wertvorstellung der Bürger von
Sagalassos. Der thematische Wandel der Reliefsdarstellungen
spiegelt Veränderungen im Selbstbild der Bürger und ihrer
Wertvorstellungen wider. In der frühen Kaiserzeit traten neben
die eckigen Ostotheken die vasenförmigen Exemplare als neue
Grabform, die entweder mit Girlanden oder Kanneluren verziert
waren. Sie wurden nur für eine eng begrenzte Personengruppe
produziert. Die dritte und zahlenmäßig bedeutendste
Grabform bilden die Sarkophage, die Typen der großen
Sarkophagzentren Ephesos, Dokimeion, Prokonnesos und Aphrodisias
nachahmen. In der Kaiserzeit stellen die Arkosolgräber eine
weitere Brandbestattungsform dar. Ein Teil der Arkosolgräber
weist einen Kasten auf, der häufig mit einer Darstellung
verziert ist oder eine Inschrift trug. Die letzte kaiserzeitliche
Grabform bilden Grabbauten, die typologisch als
Aediculagräber, Tempelgräber und Hexagone zu
klassifizieren sind.
Die Grabdenkmäler von Sagalassos zeugen davon, dass die Stadt
im Hellenismus nicht von der übrigen antiken Welt isoliert
war, sondern dass ihre Kultur fremden Einflüssen
gegenüber offen stand. So wurde in Sagalassos aus
traditionellen und importierten Elementen eine eigene sepulkrale
Kunst geschaffen. In der römischen Zeit verloren die
einheimischen Elemente an Bedeutung, was wohl mit dem Wachstum der
Stadt und ihrem Aufstieg zu einem bedeutenden Zentrum Pisidiens im
Zusammenhang stand.